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Willkommen auf dem Blog von Postoutdoorsports (POS). 
POS erkennt das volle Potenzial des Outdoorsports und existiert, um deine Verwirklichung dieses Potenzials allumfassend zu unterstützen. POS liefert und co-kreiert die besten Modelle und Praktiken zum Training von Körper, Geist und Seele im Natursport.

Die 10 größten Flow-Irrtümer

Simon Sirch

Vor zehn Jahren stolperte ich über das Flow-Phänomen; als Wissenschaftler. Es hat mich nie mehr losgelassen, aber oft frustriert. Wir alle kennen dieses Feeling — doch wie kommen wir da rein? Mein Flow blieb lange dem Zufall überlassen. Recherchen ergaben Widersprüche. Das Flow-Gequatsche nervte mich. Ich ließ mich in die Irre führen. Dir will ich das ersparen. Deshalb: Flow-Aufklärung die Erste. 

Irrtum 1: Flow bedeutet für jeden was anderes

Wenn jeder etwas anderes unter "Flow" verstehen würde, dann könnten wir uns darüber nicht austauschen. Flow dürfte von allen Menschen ähnlich erlebt werden, sonst gäbe es keinen gemeinsamen Nenner und erst recht keinen Forschungszweig dazu. Wegen der inflationären Verwendung verschwimmt allerdings die Wortbedeutung. Doch sie lässt sich bestimmen: Der Duden nennt drei Bedeutungen — ich unterscheide vier. Die vier Arten von Flow spielen zusammen, doch direkt glücklich macht nur eine: Nämlich das Flow-Erlebnis. 

Irrtum 2: Flow ist eine Emotion

Oft sprechen wir vom „Flow-Gefühl“. Genau betrachtet ist Flow aber keine Emotion wie Angst oder Freude, sondern ein umfassender Zustand des Bewusstseins, in dem du

  • ganz im Moment aufgehst und völlige Klarheit erlebst,
  • frei und spontan handelst, 
  • dich verbunden und wirkungsvoll erfährst. 

Ohne Zweifel löst das positive Emotionen aus! Aber Glücksgefühle sind nicht das Flow-Erlebnis selbst, sondern eine Begleiterscheinung. Der Flow, der direkt glücklich macht, ist mehr als eine Emotion. 

Irrtum 3: Flow liegt im Außen 

Im Anschluss an die Forschungslinie von Mihály Csíkszentmihályi ist mit Flow ein Erlebnis gemeint. Erlebnisse finden nicht draußen in der Umwelt statt, sondern geschehen per Definition in uns. Der Ursprung des Flow-Erlebens liegt demnach in unserem Inneren. Äußere Faktoren sind wichtige Ansatzpunkte, aber sie sind nicht das Flow-Erlebnis.

Irrtum 4: Flow gibt es nur bei Tätigkeit X

Die Behauptung, dass Flow-Erlebnisse nur bei speziellen Tätigkeiten auftreten, ist nicht haltbar. Flow kann prinzipiell bei jeder Betätigung erlebt werden. Doch in der Tat scheint es Aktivitäten zu geben, die Flow begünstigen: so genannte Flow-Aktivitäten. 

Irrtum 5: Flow passiert im Kopf

Vor allem die Leistungspsychologie sieht Flow als mentales Phänomen und verortet es "im Kopf". Diese Sichtweise ist einseitig und wird dem Kenntnisstand der Bewusstseinsforschung nicht gerecht. Um Flow zu verstehen und zu beeinflussen, müssen wir neben der mentalen Ebene auch die somatische und spirituelle Ebene berücksichtigen. Das sehen sogar Flow-Forscher ein.  

Irrtum 6: Flow ist nur für Profis

Flow ist keiner Elite vorbehalten, sondern radikal demokratisch. Jeder kann Flow erleben, vom Kind bis zum Greis. Ein natürlicher Bewusstseinszustand braucht kein besonderes Fertigkeitsniveau. Zugleich wissen wir, dass hohe Kompetenz in einer Tätigkeit die Häufigkeit und Intensität von Flow-Erlebnissen während dieser Tätigkeit erhöhen kann. Davon bleibt unberührt, dass jeder zum Flow-Profi werden kann.

Irrtum 7: Flow ist individuell

Hier müssen wir genau hinsehen: "in-dividuell" bedeutet auch "un-teilbar". Aber Flow trennt nicht, sondern verbindet. Flow-Erlebnisse lassen sich sehr wohl miteinander teilen — vor allem dann, wenn wir auf ähnlicher Wellenlänge schwingen. Das Individuelle an deinem Flow zeigt sich an der einzigartigen Kombination und Ausprägung der Bedingungen, die dein Flow-Erlebnis braucht. 

Irrtum 8: Im Flow erbringt man maximale Leistung 

Sagt das dein Chef? — Dann klär' ihn auf: Im Flow erbringst du nicht maximale, sondern optimale Leistung. Im Flow arbeiten wir freudevoll und mühelos; an der Leitungsgrenze brennen wir aus. Nach einer Höchstleistung bist du erschöpft und brauchst Ruhe. Nach einem Flow-Erlebnis bist du erfüllt und willst mehr. Interessanterweise belegt die Neurowissenschaft, dass im Flow die Wahrscheinlichkeit von Leistungsspitzen zunimmt und Problemlösen leichter gelingt. 

Irrtum 9: Flow ist Meditation 

Flow ist ein Bewusstseinszustand und Meditation ist eine Praxis, die Bewusstseinszustände trainiert. Zwischen meditativen Erfahrungen und Flow-Erlebnissen gibt es Überschneidungen, aber auch Unterschiede. Einer besteht darin, dass man bei einer Meditation in der Regel körperlich kaum aktiv ist und die Aufmerksamkeit nach innen lenkt, während das Flow-Erlebnis mit einem aktiven Zusammenspiel mit der Außenwelt einhergeht.

Irrtum 10: Flow kann man kaufen

Ein Wunschtraum... und außerdem ein schlechtes Versprechen. Das Flow-Erlebnis ist kein materielles Produkt. Bewusstseinszustände lassen sich weder in der Fabrik produzieren noch im Supermarkt kaufen. Manche nehmen Drogen, um kurzzeitig ihr Bewusstsein zu erweitern — doch keine Substanz garantiert den „guten Trip“. 

Der Schlüssel: Flow-Bedingungen

Was können wir dann tun, um dem Flow die Tür zu öffnen? — Der Schlüssel zum Geheimnis des Glücks liegt in seinen inneren und äußeren Bedingungen. Flow-Erlebnisse lassen sich nicht herstellen, aber Bedingungen lassen sich schaffen. Optimale Bedingungen maximieren die Wahrscheinlichkeit für Flow. Mit System. Mit Freude. Mit Wirkung.

Postoutdoorsports klärt weiter auf. Du darfst gespannt sein.


Nächstes Mal klären wir die Flow-Arten. Vier Mal Flow — einer macht direkt glücklich. Rate mal welcher. 

Nächstes Mal klären wir die Flow-Arten. Vier Mal Flow — einer macht direkt glücklich. Rate mal welcher. 

Mehr Flow mit Hirn-Training

Simon Sirch

Mit Wildnis und Workout zum Erfolg 

Er leiht mir sein Auto, wenn ich in Utah Felsklettern will. „You will love the rocks and the wilderness". John hält sein Wort, liebt die Natur und ist mit 59 Jahren noch fit wie ein Turnschuh. Kein Wunder. Wer jeden Morgen durch die Wildnis streift und mehrmals pro Woche sein Workout macht, kommt um Fitness nicht herum. Nebenbei hat er hunderte Suchtkranke zur Heilung begleitet, zwei erfolgreiche Unternehmen gegründet und Preise mit seinem Buch gewonnen. Hat das mit Fitness zu tun? Oder eher mit Flow

Der Aufstieg des Supermenschen

Die Fitness des Körpers bestärkt die Fitness des Geistes. Das wussten schon die alten Griechen [1]. Dein Geist wiederum beeinflusst deine Konzentration, die Flexibilität deines Denkens und die Kreativität deines Schaffens. Kurz gesagt: Bewusstsein korreliert mit Effekt. Ein Zusammenhang, für den die Neurowissenschaft mittlerweile Belege liefert. Mit Steven Kotlers Buch The Rise of Superman sind ihre Erkenntnisse auch im Outdoorsport angekommen. An Extremsport-Größen wie Danny Way, Laird Hamilton, Shane McConkey und Dean Potter versucht Kotler zu zeigen, dass der Code zum Flow — und damit zur Höchstleistung — im Inneren deines Körpers liegt: nämlich in deinem Gehirn. 

Du bist mehr als dein Hirn

Damit hat er nicht unrecht, aber auch nicht ganz recht. Denn Bewusstsein und Gehirn sind nicht dasselbe. Das Gehirn ist ein Organ und das Bewusstsein ist die Kapazität für dein Erleben. Das Gehirn gehört zum Körper. Der Körper ist etwas Äußerliches; tastbar für die Hände und sichtbar für die Augen. Das Gehirn lebendig zu tasten ist zwar nur im OP-Saal angebracht, aber seine Aktivität lässt sich heute dank bildgebender Verfahren ohne Weiteres sichtbar machen. Zum Beispiel mit einem EEG, das elektrische Spannungen im Gehirn aufzeichnet und auf einen Bildschirm projiziert. Das Messgerät dient als Erweiterung des Sehsinns. Wenn dein Kopf damit verdrahtet ist, dann zeichnet es deine Gehirnwellen aufs Display. Das ist richtig. Falsch ist, dass dadurch dein Bewusstsein die Hosen runter lässt. Intime Erlebnisse bleiben bedeckt. Zumindest teilweise. Und das ist gut so.

Grafik 1: Hirnwellen haben ihren Ursprung im Gehirn (rechts). Erlebnisse findet man im Bewusstsein (links). Zwischen beiden Bereichen besteht ein Zusammenhang, aber keine Übereinstimmung.

Wellen machen noch keinen Flow

Im EEG sieht der Neuro-Experte, wie du etwas erlebst. Wenn hochfrequente Beta-Wellen mit 30 Hertz übers Display rasen, dann erlebst du Stress. „Entspannen sie sich“, flüstert der Neurologe, der neben dir auf den Bildschirm starrt. Er liest deinen Stress aus der Wellenform. Allerdings bleibt ihm verborgen, was du als stressig erlebst. Vielleicht nervt dich sein Flüstern? Wie auch immer, sein Appell wäre überflüssig, wenn deine Wellen ruhiger rauschen würden. Im Moment wünsche ich dir 7–8 Hertz. Dann fließt dein Bewusstsein im Flow-Zustand. Du bist gelassen und gut gelaunt. Die Flow-Frequenz strömt zwischen Alpha- und Theta-Wellen — und dein Bewusstsein zwischen entspannter Wachheit und leichtem Traum. Im Buch FLOW beschreibe ich das genauer. 

Flow states und Brain states 

John auf Streifzug durch Utah's Wildnis

John auf Streifzug durch Utah's Wildnis

Ich fasse zusammen: Gehirn und Bewusstsein sind unterschiedliche Bereiche der Realität. Der eine Bereich ist die äußere und objektiv messbare Welt des Körpers, der andere Bereich ist die innere Welt des subjektiven Erlebens. Flow und andere Erlebnisse strömen durchs Bewusstsein und korrelieren mit elektrischen Aktivitäten im Gehirn. Diese Unterscheidung hält Kotler nicht durch. An vielen Stellen seines Buches reduziert er ein heiliges Phänomen auf banale Gehirn-Elektrik. Darauf fahren Technik-Freaks ab. Aber allein durch Technik lässt sich Flow weder erklären noch herstellen. Noch sind Menschen keine Maschinen. Das bleibt uns hoffentlich erspart.

Segen der Technik 

Zugleich hat Technik ihren Wert. Vor allem dann, wenn man sie als Hilfsmittel für etwas Größeres verwendet [2]. Dann spreche ich von Technologie. „Technology is anything that helps you do something“. Diesen Satz hörte ich erstmals von John Dupuy; in einem Teleseminar von iAwake Technologies. Johns Firma produziert Audio-Programme zum Hirnwellen-Training — auch bekannt als Brainwave-Entrainment. Schon mal gehört? Das Prinzip ist simpel: Über einen Kopfhörer empfängt das Gehirn zwei ähnliche Töne mit leicht verschiedenen Frequenzen; zum Beispiel einen Ton mit 590 Hertz über das linke Ohr und einen mit 583 Hertz über das rechte Ohr. Ihre Differenz stimuliert das Gehirn genau in diesem Wellenbereich. Die Frequenz von 7 Hertz geht Hand in Hand mit dem Flow-Erlebnis. 

Grafik 2: Hirnwellen-Training mit Audio-Tracks (rechts) trainiert die organischen Bedingungen für positive Erlebnisse (links).

Stellschraube für deinen Flow

Jeder Sportler weiß, dass wiederholte Reize die Muskeln trainieren. Das Gehirn ist zwar kein Muskel, reagiert aber ähnlich auf entsprechende Reize [3]. Aus physiologischer Sicht ist dein Gehirn das wichtigste Flow-Organ. Gehirnwellen-Training stimuliert die organischen Voraussetzungen. Forschungen zeigen, dass tägliches Brainwave-Entrainment langfristige Veränderungen in der Gehirnstruktur unterstützt [4]. Innerhalb dieser Strukturen stellen sich erwünschte Bewusstseinszustände leichter ein, selbst wenn das Audio nicht genutzt wird. Wie cool ist das? — Eine bezahlbare Technologie, die Bedingungen für positive Erlebnisse schafft. iAwake bieten das passende Programm für jeden Einsatzzweck, nicht nur für Athleten und Flow-Junkies. 

Legales Doping für Aufmerksamkeit 

Als mein iPod den ersten Track spielte, waren mir Hirnwellen egal. Ich wollte einfach ruhig sitzen. Das tat ich: stockgerade im Schnee, in Schlafsack und Daunenjacke eingehüllt, nach einer sternklaren Nacht auf 2000 Metern. Im Osten lachte die Sonne über die Gipfel und ich hatte Kopfhörer auf den Ohren. Ein schräges Bild, nicht wahr? Ich hatte mir ins Hirn gesetzt, Meditation zu erlernen. Als Sportler sah ich das sportlich. Um auf Erleuchtung zu trainieren, war mir jedes Hilfsmittel recht, das nicht auf der Dopingliste stand. Es blieb nicht bei der Sitzung im Schnee. Seit vier Jahren meditiere ich jeden Tag, bis zu zwei Stunden am Stück — nicht schlecht für einen Hyperaktiven. Ohne die Sounds von iAwake und Johns Online-Support wäre ich bald ausgestiegen. Davor hatte ich gelesen, dass Meditation das Bewusstsein weitet und Aufmerksamkeit kultiviert. Dass es sich auf alle Lebensbereiche positiv auswirkt, daran habe ich nicht geglaubt. Selbst im Sport erlebe ich deutlich feiner und intensiver. Ich hab’s nicht geglaubt, obwohl John wiederholt versicherte: „A regular practice will change your life“. 
Hätte ich besser mal zugehört. 


Anmerkungen

[1] Dieses Ideal spiegelt sich im Begriff „Kalos kagathos“ (Das Schöne und Gute) bei den Griechen und bei den den alten Römern in „Mens sana in corpore sano“ (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper). 

[2] Größenwahn meine ich damit nicht. Unter "dem Größeren" verstehe ich das, was über das sterbliche Ego hinaus geht. Mehr dazu in "Wofür kämpfst du eigentlich?"

[3] Möge mir Wolfgang Güllich verzeihen. Ihm zufolge ist das Gehirn der wichtigste Muskel beim Klettern. Zitiert im Buch von Tilmann Hepp: Wolfgang Güllich - Leben in der Senkrechten

[4] Exemplarische Belege liefern die Studien von Zhuang et al. (2009) oder das Review von Huang und Charyton (2008). Weitere Informationen zum wissenschaftlichen Hintergrund findest du auf der Website von iAwake


  • Du möchtest iAwake ausprobieren? Hier geht's zum Free Download
  • Training ist ein gezielter Prozess. Hier findest du meine Tipps zum Training mit iAwake
  • Die Praxis des Hirnwellen-Trainings ist ein Element im Workshop FLOWhoch3.
  • Postoutdoorsports strebt nach den besten Tools für Körper, Kopf und Spirit im Outdoorsport der nächsten Stufe. Deswegen ist iAwake unser Partner

Wofür kämpfst du eigentlich?

Simon Sirch

Meine Erfahrung eine andere ist, würde Meister Yoda sagen, auf die verbreitete Meinung, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Helden und Kriegern. Um das zu prüfen, brauchen wir kein StarWars. Der Outdoorsport bietet Kino genug. Denn hier wimmelt es von Helden und denen, die es werden wollen. Warum sonst hat GoPro einen knackigen Slogan für ihre Kamera gewählt?

Foto Christoph Jorda | Held und Krieger Matthias Jorda

Be a Hero!

Aktuell ist die HERO4 auf dem Markt. Die vierte Generation eines Hightech-Produkts, das den Nerv der Outdoor-Gemeinde trifft. Die vierte Generation! Drei gingen voraus, das zeugt von Entwicklung. Na klar törnt mich das an, denn Evolution finde ich sexy. Wie geil, dass sich unser Equipment entwickelt — doch was ist mit uns? Was ist mit denen, die diese Produkte kaufen und nutzen: Digital-Geräte, Boards, Skis, Bikes, Schuhe, Jacken, Rucksäcke… entwickeln wir uns auch weiter — oder überlassen wir das der Technik?

Alte Helden und Outdoor-Helden

Was für den Ritter Rüstung und Roß, heißt jetzt Ausrüstung und Sportgerät. Auf den Feldern des Outdoorsports herrscht ein Getümmel wie einst in den Lagern der Kreuzzüge. Im hochgelobten Freeride-Gebiet am Wochenende nach Neuschnee, oder im sonnigen Mountain-Funpark, wirst du ihnen begegnen: den Weekend-Warriors und Wannabe-Heroes, in bunten Rüstungen und glänzenden Ausrüstungen. Ähnliches bietet der Besuch einer Großveranstaltung der Outdoor-Kultur: in den heiligen Messehallen oder beim E.O.F.T-Abend im Cineplex. Wenn das zu anstrengend sein sollte, genügt ein Klick auf RedBull.tv oder Mpora — GoPro-Aufnahmen garantiert: Mit deinen Helden, statt nur dabei. 

Grund genug, sich zu sehnen

Die Sehnsucht nach Kampf, Sieg und Heldentum bleibt zeitlos. Als Motiv des Extremsports habe ich sie in meiner Doktorarbeit gelistet [2]. Zeit war’s, schließlich gilt Wettkampf seit jeher als ein zentrales Element des Sports. Und seit es den Sport gibt, gibt es Sporthelden — vielleicht als Ersatz für die blutbespritzten Kriegshelden auf den Schlachtfeldern der Antike, des Mittelalters und der Moderne. Zu wenige sind übrig geblieben. Gerade jetzt, da die Welt so unübersichtlich ist wie nie zuvor, brauchen wir Helden, Vorbilder, Idole! Doch das Gegenteil ist der Fall: Wir leiden unter einem Mangel. Die echten Helden sterben aus; stattdessen will jeder ein bisschen Held sein. 

How-to-Hero

Der griechische Held Achilles killt Troilus nach der Eroberung von Troja. Eine Heldentat? — Man beachte den Größenunterschied.

Nachschub im Anmarsch, nur was für einer? Noch nie war es leichter, zum Helden zu werden. Dazu gilt es jedoch zwei Anweisungen zu befolgen, nach wie vor. Erstens: Tu was! — am besten etwas Gefährliches. Zum Beispiel einen Drachen töten, Goliath besiegen, Troja erobern… das waren noch Taten. Heutzutage scheint es zu genügen, wenn man eine beliebige Grenze übertritt und den Großteil der Energie in die zweite Anweisung steckt: Setze deine Tat in Szene! — mit einer Dramatik, die das Publikum packt und mitreißt. Früher engagierte man sich einen Dichter, der das Ganze ausschmückt und verbreitet — so entstand der Heldenmythos. Heute lassen sich Poeten dank GoPro und Youtube weitgehend wegrationalisieren. 

Testosteron und Rebellion

Von der Ironie zurück zum Ernst des Lebens: Helden sind notwendig, vor allem in der Pubertät. 1994 war ich vierzehn Jahre alt und auf der Suche, wie jeder Jugendliche, allerdings ohne Internet; nach Orientierung. In den Bergbüchern meines Vaters sah ich Typen wie Ron Kauk, las Texte von Reinhard Karl und traf wenig später den leibhaftigen Greg Herbold auf der Eurobike. Sie waren meine Helden — mit Che Guevara und Rage against the Machine. Also träumte ich davon, im 10ten Grad zu klettern, hohe Berge zu besteigen, Mountainbike-Profi zu werden und nebenbei noch die Welt zu retten — alles zur Melodie von „Killing In the Name“. Träume können Wege weisen. Meine Vorbilder gaben mir Richtung im Chaos meiner Identität und Argumente für mein Anders-Sein. Wie anders war das bei dir? 

Einen Spiegel für den Helden

Die Outdoor-Helden auf den Postern und Videos dienten als Projektionsfläche für meinen inneren Helden — für den Kämpfer, der seit meiner Kindheit heranwuchs. Jeder Mensch trägt einen Helden in sich, sagt der Psychoanalytiker Dr. Robert Moore. Er beruft sich auf die Psychologie der Archetypen nach Carl Gustav Jung [3]. Archetypen bilden die Hardware unserer Psyche: Tief eingebrannte Strukturen im Unbewussten, die jedem zur Verfügung stehen. Ihre individuelle Form jedoch bleibt meist im Dunkeln verborgen. Es sei denn, man holt sie aus der Tiefe. Um deinen inneren Helden nach draußen zu bringen — ins Licht — hilft eine erste Tugend, die seit Jahrhunderten alle Kämpfer auszeichnet. Ihr Name ist Mut.

Am Limit tut es weh

Mut tut gut — aber auch weh, wenn nichts weiteres dazu kommt. Leider gibt es im Outdoorsport zu viele Helden, die mal kurz mutig sind und danach im Rettungswagen oder unter der Lawine liegen — trotz glänzender Ausrüstung. Die Energie des Helden hat eine dunkle Seite, betont Moore: Der Held kennt seine Grenzen nicht. Er hält sich für unzerstörbar, für unabhängig, für unendlich stark. Eine Illusion, die er sich und anderen beweisen will. In der Psychologie ist der Held ein unreifer Archetyp. Trotzdem ist er wichtig. Ihren heroischen Archetypen voll zu entfalten, ist für Jugendliche fundamental. Denn durch äußeren Mut und äußere Stärke bekommen sie Zugang zu ihrer inneren Aufrichtigkeit und einmaligen Kraft. Damit dieser Zugang frei wird, muss der Held eine schmerzhafte Erfahrung machen.

Helden kommen zu Tode

Der Tod meines inneren Helden begann drei Tage nach meinem 27. Geburtstag. Ein Sturz beim Dirtjumpen, innere Blutungen, Not-OP, Intensivstation, schlaflose Nächte trotz Schmerzmitteln… und viel Zeit. Nicht um von Mut zu träumen, sondern um Demut zu üben. Viel Zeit, um letztlich zu realisieren, dass über mir etwas Größeres existiert. Der Held, erklärt Moore, blendet das Größere aus. Er sieht sich als Zentrum des Universums. Er ist egozentrisch. Er kämpft ausschließlich für die Bestätigung seines Ego, für seinen Schein und Schatten; für etwas, das er sein will, aber so nicht ist — und gegen alles andere. Diese Helden-Power müssen wir in der Kindheit und Jugend integrieren, um weiter zu wachsen. Aber wie viele „Erwachsene“ schaffen es, sich von ihrem Ego zu lösen? Wie viele lassen ihren Helden sterben, wachsen über sich hinaus — und werden endlich zu Kriegern? 

Warriors welcome

Der Krieger ist der erwachsene Archetyp des Kämpfers. Seine Geburt beginnt mit dem Tod des unreifen Helden. Dem gegenüber zeigt er nicht nur Eier, sondern auch Herz und Courage. Er steht für etwas ein, das umfassender ist als er selbst, weil er seine Limits akzeptiert hat. Der Krieger, schreibt Moore, lebt in der Bewusstheit seines Todes und der Kürze seines Lebens. Deshalb trainiert, taktiert und kämpft er auch für das Größere; Seite an Seite mit anderen Kriegern. Was mag dieses Größere sein? Viele sehen es in „ihrem Sport“, dem sie Vorschub leisten wollen. Für manche ist es die Persönlichkeit ihrer Teilnehmer, zu deren Entwicklung sie beitragen möchten. Für andere sind es höhere Werte, die sie durch ihr Tun verteidigen und verwirklichen wollen. Einige wiederum sehen das Größere im Netz des Lebens auf unserem Planeten und im Wohl der Generationen von morgen. Nein, ich meine nicht die nächste Generation von GoPro-Kameras.

Selbstermächtigung und machtloser Sport

Wie viele haben mit dem Kämpfen aufgehört oder nie damit begonnen? Wie viele beschränken sich auf den epischen Sieg gegen die Nordwand, gegen den „inneren Schweinehund“ oder die eigene Machtlosigkeit? Ich verfolge nicht die Absicht, den sportlichen Wettkampf in Frage zu stellen. Ganz im Gegenteil: Wettkampf bleibt für mich ein Kernmerkmal des Sports. Selbst im Outdoorsport kann man eifrig um die Wette kämpfen, sogar ohne Gegner aus Fleisch und Blut. Im sportlichen Eifer finden Körpergewalt und gezielte Kontrolle einen gewaltfreien Ausdruck. Aber welche Wirkung hinterlässt diese gewaltige Kraft — außer der Spur im Schnee, die vom Wind verweht wird; außer der Müdigkeit nach der Tour; außer den wenigen Kommentaren auf dein Facebook-Foto? 

Mehr friedvolle Krieger bitte

Ohne Scheuklappen erkennen wir, dass wir im sportlichen Tun wenig bewirken — abgesehen von der flüchtigen Wirkung auf unser Ego. Wenn uns das ausreicht, ist das schön. Aber ist es auch gut? [4] Ich vertrete den Standpunkt, dass sich der Sport heutzutage wieder auf höhere Werte besinnen darf. Und dass die Menschen im Outdoorsport sich ihrer Macht bewusst werden müssen. Welcher Macht? — Na die, die Meister Yoda meint. Der friedvolle Krieger im Outdoorsport ist sich im Klaren, dass in einer global vernetzten Welt sein Handeln eine Wirkung hat; nicht nur direkt vor Ort, sondern auch indirekt auf ein anderes Leben auf diesem Planeten. Diese weitreichende Wirkmacht setzt er ein — und zwar nicht nur während des Sporttreibens, sondern vielmehr davor, danach und dazwischen. 

Wirkfelder für Wirkmächtige

Hierzu einige Beispiele: Was wäre, wenn du als Freizeitsportler vor dem Kauf und vor der Buchung bewusst die Entscheidung fällst, wen du damit unterstützt? Dein Geld ist ein machtvolles Mittel — übrigens auch deine Empfehlungen und Gefällt mir’s. Was wäre, wenn du als Trainer und Guide dir vor Augen hältst, dass du nicht nur an Ergebnissen mitwirkst und Erlebnisse möglich machst, sondern Wegbegleiter bist? Was wäre, wenn du als Profi-Athlet mehr darüber erzählen würdest, an welchen Kriterien du Leistung bewertest, und für was in der Welt du mit deinem Herzen einstehst? Du wirkst als Vorbild — fragt sich, wofür? Was wäre, wenn du als Journalist seltener an „die Leser“ oder „deinen Job“ denkst? Über wen und was würdest du schreiben; mit Feuer, Flamme und scharfer Klinge? Mit deinen Texten bestätigst du ein altes Bild — oder kreierst eine neue Welt. Was wäre, wenn du als Filmemacher und Fotograf bestimmen würdest, welche Heldengeschichte du schmückst? Welchen Zweck verfolgt dein Auftraggeber? Nur seinen egozentrischen… oder einen größeren, schöneren, besseren? — So wie du. 

Lieber Outdoor-Aktivist, sei dir bewusst, wofür du kämpfst. Wie du kämpfst. Und mit wem. Denn eines steht fest: Mehr Krieger, mehr Wirkung. 


Anmerkungen

[1] Wie immer sind hier Ladies und Gentlemen gleichermaßen gemeint. Zur besseren Lesbarkeit verwende ich die männliche Form.

[2] Das Motiv des heroischen Kampfes im Extremsport wird vor allem aus soziologischer und philosophischer Sicht aufgegriffen, zum Beispiel von Karl-Heinrich Bette (2004), Gunther Gebauer (2004) oder Jonathan Simon (2003). Aus der Sicht der Massenmedien ist die Heldenthematik ein Dauerbrenner. 

[3] Der Archetyp des Helden bzw. Kriegers wird eindrücklich dargestellt im Buch von Robert Moore und Douglas Gillette: „King, Warrior, Magician, Lover”, erstmals erschienen 1991 bei HarperOne. 

[4] Seit Platon gilt das Werte-Trio des Schönen, Wahren und Guten als grundlegender Maßstab für menschliches Leben. Wenn man den zeitgenössischen Sport vor diesem Hintergrund betrachtet, dann dominiert meines Erachtens das Wahre (als objektive Leistung). Mit Rückstand kommt das Schöne (als ästhetisches Erleben) und weit dahinter hinkt das Gute (als ethisches Handeln). Zeit für die Aufholjagd, finde ich. 


Mit Postoutdoorsports kämpfe ich für einen aufgeklärten Outdoorsport in einer globalen Kultur. Seite an Seite. 

FLOW — Der Cocktail zum Buch

Simon Sirch

Sehr geehrte Damen und Herren, Postoutdoorsports präsentiert Ihnen heute einen inspirierenden Cocktail — passend zur Bucherscheinung von Mountainbike-Profi Harald Philipp und Outdoorsport-Forscher Dr. Simon Sirch (mit Augenzwinkern).

Sogar in Pausen sind Flow-Cocktails gesetzlich erlaubt | Foto Tom Bause

Sogar in Pausen sind Flow-Cocktails gesetzlich erlaubt | Foto Tom Bause

Zutaten

1  faszinierender Bewusstseinszustand
1  vielzitiertes englisches Wort
1  dynamische Outdoor-Aktivität
2  tieferer Sinn
2  Mengen lebendige Eigenerfahrung
3  verschiedene Dosen der Marke "Besonders"
43  Beiträge aus Wissenschaft und Philosophie
75  bewegende Fotos 

Zubereitung 

Zuerst den tieferen Sinn zur Outdoor-Aktivität geben. Gut durchschütteln. Die Mengen Eigenerfahrung mit dem Inhalt der Dosen in zehn Kapitel portionieren. Die Beiträge auspressen und das Extrakt in die Kapitel tröpfeln. Alles auf die sinnerfüllte Aktivität gießen, so dass sich mehrere Schichten bilden. Anschließend die Kapitel mit Witz beträufeln und bei kreativer Hitze zum Köcheln bringen. Sobald sich feine Blasen bilden, den heißen Cocktail auf 144 Seiten gießen und mit den Fotos umrahmen. Mit dem englischen Wort garnieren und nach Geschmack abcoolen lassen. Wir empfehlen, den Cocktail zu einer freudvollen Tätigkeit zu servieren. Jederzeit genießen und den Bewusstseinszustand aufs Neue erleben. 

Erfahre mehr zum Buch FLOW

Ist Outdoorsport out?

Simon Sirch

Was ist wirklich neu im Outdoorsport? — Die Erstbegehung von X? Die Innovation Y? Die neue Region Z? — Solche Meldungen sind von gestern, findet Postoutdoorsports. Warum? — Weil eine Outdoorsport-Kultur, die "mehr desselben" produziert, nicht mehr up to date ist. Es ist Zeit für Neues. Es ist Zeit für Evolution: für mehr Tiefgang und Bandbreite. Lasst uns wieder in die Gegenwart kommen. Ans Ende der Postmoderne. 

Gestern alternativ, heute altmodisch

Ein kurzer Rückblick: Vor einigen Jahren wurde beim Outdoorsport noch von einer „Alternativen Sportkultur” gesprochen [1] Diese Zeiten sind vorbei. Bouldern, Freiklettern, Gleitschirmfliegen, Kajakfahren, Mountainbiking, Slacklinen, Snowboarding… waren vor Kurzem noch alternativ. Heute sind sie etabliert. Was als extrem galt, ist heute normal. Das hat einen Grund, den viele noch nicht mitbekommen haben: Die Entwicklung des Sports — und deine individuelle Entwicklung — ist eingebettet in die größere Evolution unserer Kultur und des menschlichen Bewusstseins. Diese Evolution macht den Schritt auf die nächste Stufe, ob wir wollen oder nicht.

Das nächste Level

Evolutionsforscher sehen darin nicht nur einen Schritt, sondern einen Sprung; a „momentous leap in meaning”. In anderen Bereichen der Gesellschaft hat der Take-off schon begonnen, etwa in der Wirtschaft, im Bildungsbereich oder in der Ökologie [2]. Hinkt der Sport hinterher? — Ja, denn teilweise bekommt man den Eindruck: Der „Spirit” des Outdoorsports scheint vielen Sportlern, Firmen und Verbänden entwichen zu sein. Und nein, denn es gibt auch neue Bewegungen — von den Athleten und Organisationen der nächsten Stufe. Sie sind die Spitze der Outdoorsport-Evolution. 

Abbildung: Durchbrüche in der Entwicklung der Bewegungskultur bis heute (zum Download)

Die Illustration zeigt die Evolution des Sports von den Anfängen der Bewegungskultur bis heute. Wie du siehst, ist der Outdoorsport ein relativ junges Phänomen. Sein Durchbruch liegt erst wenige Jahrzehnte zurück. Zugleich birgt er ein Potenzial, das sich über Jahrhunderte angereichert hat. Dennoch gerät er ins Stocken — Warum? 

Vor dem Durchbruch

Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens haben wenige das volle Potenzial des Outdoorsports erkannt — weder in seiner Kultur noch in ihrem eigenen Sporttreiben. Zweitens haben die meisten bislang nicht die Kapazität ausgebildet, um dieses Potenzial zu verwirklichen. Und drittens ist es normal, dass der Lauf der Evolution zunächst ins Stocken gerät, bevor der nächste Durchbruch kommt. Das ist wie in der Natur: Jeder Fluss findet Möglichkeiten, um seinen Weg fortzusetzen. Wird er blockiert, hebt er seinen Wasserpegel, erhöht den Druck, schickt erste Tropfen durch feine Risse und enge Spalten — bis die Flut überschwappt oder die Blockade bricht.

Gehörst du zu den ersten Tropfen? 

Konventioneller Outdoorsport ist out. Während der Mainstream noch feststeckt, haben sich einige Pioniere schon auf ihren Weg gemacht: zum Post-Outdoorsport. Selten sind sie sich dessen bewusst. Manche folgen ihrem Verstand, manche einer Vision, manche einer Intuition — und erschaffen die Zukunft in der Gegenwart. Hier dockt Postoutdoorsports an. Wir unterstützen Athleten und Organisationen im Übergang zur nächsten Stufe ihrer Evolution: Co-kreativ, umfassend und intelligent.

 

Anmerkungen:

[1] Siehe zum Beispiel die Beiträge von Krüger (1988), in Rinehart (2003), sowie von Wheaton (2007) und Willimczik (2007).

[2] Beeindruckende Praxisbeispiele im Bereich der Organisationsentwicklung zeigt Frederic Laloux in Reinventing Organizations. Als wegweisend für den Bereich der Ökologie empfiehlt sich Integral Ecology von Sean Esbjörn-Hargens und Michael Zimmerman; Den Take-off im Bildungsbereich praktizieren beispielsweise Schule im Aufbruch oder das California Institute of Integral Studies

Outdoorsport 2.0 — Bereit für den nächsten Schritt?

Simon Sirch

Sieben Jahre lang hat Dr. Simon Sirch den Outdoorsport untersucht. Jetzt ist es soweit, dass er für ihn sprechen kann. Eine Einladung zur Zukunft deines Sports.

Ich heiße Outdoorsport und ich will mit dir wachsen

Hallo, mein Name ist Outdoorsport. Früher hieß ich Natursport, aber das hört sich altmodisch an. Ich gehe mit der Zeit. In den letzten Jahrzehnten bin ich an die Spitze der Sport-Evolution geklettert. Nun stehe ich vor einer neuen Grenze, vor dem Übergang zu meiner nächsten Evolutionsstufe. Dazu erfülle ich alle Voraussetzungen, bis auf eine: Mir fehlen die Menschen! Diejenigen, die mich authentisch betreiben, meinen Geist leben, mich mit Liebe organisieren und meine Produkte herstellen. Ich brauche nicht alle. Nur die, die bereit sind. 

Ich bin reich, modern und sexy

Wo ich herkomme? – Rate mal! Die meisten sagen, ich sei ein Kind der rockigen 70er. Das stimmt insofern, dass ich zu dieser Zeit meinen Durchbruch hatte. Seitdem bin ich reich. Mit dem Beginn der Postmoderne wurden meine Aktivitäten populär, das Klettern zum Beispiel. Andere, etwa das Mountainbiken, wurden damals erfunden. Die Bergsteiger meinen, ich sei allerspätestens im 19. Jahrhundert geboren worden, mit der Besteigung der großen Alpengipfel. In der Tat hat mir die Moderne enormen Aufwind gegeben. Die Aufklärung entfesselte die Wissenschaft und einen Forscherdrang, der vor dünner Höhenluft nicht zurückschreckt. Die Industrialisierung brachte die Freizeit und mit ihr den modernen Sport, mitsamt seiner Leistungsorientierung; und natürlich der Technik: Deine Funktionsjacke, deine Ski, deine Schuhe mit Vibram-Sohle… all das würde es ohne die industrielle Revolution nicht geben. Zuvor haben die Antike und das Mittelalter viel dazu beigetragen, dass ich so wild und sexy bin. Wie das? Na die Dramatik und die Helden, der körperliche Konflikt, die habe ich diesen Epochen entnommen. Allerdings weiß kaum jemand, dass meine Wurzeln bis in die Anfänge der Menschheit reichen. Damals, als deine Vorfahren im Einklang mit der Natur und ihren Elementen lebten. Wo würdest du dich bewegen, ohne die Erde und den Fels, ohne den Wind, ohne das Wasser, den Schnee und das Eis? Du wärst nicht einmal auf die Idee gekommen, Kletterhallen zu bauen. 

Wenn Du mitkommst, wird es einmalig! 

Ich bin dein Outdoorsport. Ich bin erwachsen und bereit für den nächsten Schritt. Du auch? – Wie du willst nicht erwachsen werden? Wie dafür bist du schon zu alt? Okay, ich verstehe deine Befürchtung und Deine Bedenken. Und ich weiß, woher sie kommen: Mir sind zwei Sportler-Gruppen sehr bekannt. Beide stehen dem Erwachsenwerden mit Unbehagen gegenüber. Die einen weigern sich vehement dagegen, trotz ihrer Volljährigkeit. Sie bangen um ihre Freiheit. Sie glauben, dass mit ihrem Bekenntnis zum Erwachsenwerden ihr inneres Kind stirbt – und damit ihre Lust und Freude am Leben. Die anderen bekennen sich mutig als Erwachsene – aber sehen sich in Gedanken bereits im Grab. Beide Gruppen haben aus ihrer Sicht ein bisschen Recht. Doch zum Großteil ist ihr Bild vom Erwachsenwerden schlichtweg falsch. Ihre Vorstellung wurde verdorben von dogmatischen Ratschlägen, dass viel desselben auch viel helfe und es nun mal nicht anders gehe — gut, dass es sehr wohl anders geht. Sie wurden verkorkst von einer Outdoorsport-Kultur, in der sich fragliches Rekordstreben mit oberflächlicher Action paart — schön, dass es wieder Athleten gibt, die Leistung mit Werten und Aktionen mit Ästhetik verbinden. Sie wurden verpfuscht von einer verschulten Medizin, die Menschen noch immer auf Maschinen reduziert und von einer einseitigen Psychologie, die Entwicklung mit dem Erwachsenenalter für beendet erklärt — nützlich sind ihre Verdienste, doch mittlerweile wissen wir mehr.

Gib mir ein Update

Du siehst, ich kenne mich aus in Sachen Fortschritt. Kein Wunder, schließlich habe ich über Jahrtausende gelernt. Und ohne überheblich klingen zu wollen: Ich weiß, wo es lang geht: zum Outdoorsport 2.0. Das wird ein großartiges Update — kommst du mit?

Zum Vortrag Outdoorsport 2.0.