contact us

Use the form on the right to contact us.

You can edit the text in this area, and change where the contact form on the right submits to, by entering edit mode using the modes on the bottom right.

           

123 Street Avenue, City Town, 99999

(123) 555-6789

email@address.com

 

You can set your address, phone number, email and site description in the settings tab.
Link to read me page with more information.

blog

Willkommen auf dem Blog von Postoutdoorsports (POS). 
POS erkennt das volle Potenzial des Outdoorsports und existiert, um deine Verwirklichung dieses Potenzials allumfassend zu unterstützen. POS liefert und co-kreiert die besten Modelle und Praktiken zum Training von Körper, Geist und Seele im Natursport.

Wofür kämpfst du eigentlich?

Simon Sirch

Meine Erfahrung eine andere ist, würde Meister Yoda sagen, auf die verbreitete Meinung, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Helden und Kriegern. Um das zu prüfen, brauchen wir kein StarWars. Der Outdoorsport bietet Kino genug. Denn hier wimmelt es von Helden und denen, die es werden wollen. Warum sonst hat GoPro einen knackigen Slogan für ihre Kamera gewählt?

Foto Christoph Jorda | Held und Krieger Matthias Jorda

Be a Hero!

Aktuell ist die HERO4 auf dem Markt. Die vierte Generation eines Hightech-Produkts, das den Nerv der Outdoor-Gemeinde trifft. Die vierte Generation! Drei gingen voraus, das zeugt von Entwicklung. Na klar törnt mich das an, denn Evolution finde ich sexy. Wie geil, dass sich unser Equipment entwickelt — doch was ist mit uns? Was ist mit denen, die diese Produkte kaufen und nutzen: Digital-Geräte, Boards, Skis, Bikes, Schuhe, Jacken, Rucksäcke… entwickeln wir uns auch weiter — oder überlassen wir das der Technik?

Alte Helden und Outdoor-Helden

Was für den Ritter Rüstung und Roß, heißt jetzt Ausrüstung und Sportgerät. Auf den Feldern des Outdoorsports herrscht ein Getümmel wie einst in den Lagern der Kreuzzüge. Im hochgelobten Freeride-Gebiet am Wochenende nach Neuschnee, oder im sonnigen Mountain-Funpark, wirst du ihnen begegnen: den Weekend-Warriors und Wannabe-Heroes, in bunten Rüstungen und glänzenden Ausrüstungen. Ähnliches bietet der Besuch einer Großveranstaltung der Outdoor-Kultur: in den heiligen Messehallen oder beim E.O.F.T-Abend im Cineplex. Wenn das zu anstrengend sein sollte, genügt ein Klick auf RedBull.tv oder Mpora — GoPro-Aufnahmen garantiert: Mit deinen Helden, statt nur dabei. 

Grund genug, sich zu sehnen

Die Sehnsucht nach Kampf, Sieg und Heldentum bleibt zeitlos. Als Motiv des Extremsports habe ich sie in meiner Doktorarbeit gelistet [2]. Zeit war’s, schließlich gilt Wettkampf seit jeher als ein zentrales Element des Sports. Und seit es den Sport gibt, gibt es Sporthelden — vielleicht als Ersatz für die blutbespritzten Kriegshelden auf den Schlachtfeldern der Antike, des Mittelalters und der Moderne. Zu wenige sind übrig geblieben. Gerade jetzt, da die Welt so unübersichtlich ist wie nie zuvor, brauchen wir Helden, Vorbilder, Idole! Doch das Gegenteil ist der Fall: Wir leiden unter einem Mangel. Die echten Helden sterben aus; stattdessen will jeder ein bisschen Held sein. 

How-to-Hero

Der griechische Held Achilles killt Troilus nach der Eroberung von Troja. Eine Heldentat? — Man beachte den Größenunterschied.

Nachschub im Anmarsch, nur was für einer? Noch nie war es leichter, zum Helden zu werden. Dazu gilt es jedoch zwei Anweisungen zu befolgen, nach wie vor. Erstens: Tu was! — am besten etwas Gefährliches. Zum Beispiel einen Drachen töten, Goliath besiegen, Troja erobern… das waren noch Taten. Heutzutage scheint es zu genügen, wenn man eine beliebige Grenze übertritt und den Großteil der Energie in die zweite Anweisung steckt: Setze deine Tat in Szene! — mit einer Dramatik, die das Publikum packt und mitreißt. Früher engagierte man sich einen Dichter, der das Ganze ausschmückt und verbreitet — so entstand der Heldenmythos. Heute lassen sich Poeten dank GoPro und Youtube weitgehend wegrationalisieren. 

Testosteron und Rebellion

Von der Ironie zurück zum Ernst des Lebens: Helden sind notwendig, vor allem in der Pubertät. 1994 war ich vierzehn Jahre alt und auf der Suche, wie jeder Jugendliche, allerdings ohne Internet; nach Orientierung. In den Bergbüchern meines Vaters sah ich Typen wie Ron Kauk, las Texte von Reinhard Karl und traf wenig später den leibhaftigen Greg Herbold auf der Eurobike. Sie waren meine Helden — mit Che Guevara und Rage against the Machine. Also träumte ich davon, im 10ten Grad zu klettern, hohe Berge zu besteigen, Mountainbike-Profi zu werden und nebenbei noch die Welt zu retten — alles zur Melodie von „Killing In the Name“. Träume können Wege weisen. Meine Vorbilder gaben mir Richtung im Chaos meiner Identität und Argumente für mein Anders-Sein. Wie anders war das bei dir? 

Einen Spiegel für den Helden

Die Outdoor-Helden auf den Postern und Videos dienten als Projektionsfläche für meinen inneren Helden — für den Kämpfer, der seit meiner Kindheit heranwuchs. Jeder Mensch trägt einen Helden in sich, sagt der Psychoanalytiker Dr. Robert Moore. Er beruft sich auf die Psychologie der Archetypen nach Carl Gustav Jung [3]. Archetypen bilden die Hardware unserer Psyche: Tief eingebrannte Strukturen im Unbewussten, die jedem zur Verfügung stehen. Ihre individuelle Form jedoch bleibt meist im Dunkeln verborgen. Es sei denn, man holt sie aus der Tiefe. Um deinen inneren Helden nach draußen zu bringen — ins Licht — hilft eine erste Tugend, die seit Jahrhunderten alle Kämpfer auszeichnet. Ihr Name ist Mut.

Am Limit tut es weh

Mut tut gut — aber auch weh, wenn nichts weiteres dazu kommt. Leider gibt es im Outdoorsport zu viele Helden, die mal kurz mutig sind und danach im Rettungswagen oder unter der Lawine liegen — trotz glänzender Ausrüstung. Die Energie des Helden hat eine dunkle Seite, betont Moore: Der Held kennt seine Grenzen nicht. Er hält sich für unzerstörbar, für unabhängig, für unendlich stark. Eine Illusion, die er sich und anderen beweisen will. In der Psychologie ist der Held ein unreifer Archetyp. Trotzdem ist er wichtig. Ihren heroischen Archetypen voll zu entfalten, ist für Jugendliche fundamental. Denn durch äußeren Mut und äußere Stärke bekommen sie Zugang zu ihrer inneren Aufrichtigkeit und einmaligen Kraft. Damit dieser Zugang frei wird, muss der Held eine schmerzhafte Erfahrung machen.

Helden kommen zu Tode

Der Tod meines inneren Helden begann drei Tage nach meinem 27. Geburtstag. Ein Sturz beim Dirtjumpen, innere Blutungen, Not-OP, Intensivstation, schlaflose Nächte trotz Schmerzmitteln… und viel Zeit. Nicht um von Mut zu träumen, sondern um Demut zu üben. Viel Zeit, um letztlich zu realisieren, dass über mir etwas Größeres existiert. Der Held, erklärt Moore, blendet das Größere aus. Er sieht sich als Zentrum des Universums. Er ist egozentrisch. Er kämpft ausschließlich für die Bestätigung seines Ego, für seinen Schein und Schatten; für etwas, das er sein will, aber so nicht ist — und gegen alles andere. Diese Helden-Power müssen wir in der Kindheit und Jugend integrieren, um weiter zu wachsen. Aber wie viele „Erwachsene“ schaffen es, sich von ihrem Ego zu lösen? Wie viele lassen ihren Helden sterben, wachsen über sich hinaus — und werden endlich zu Kriegern? 

Warriors welcome

Der Krieger ist der erwachsene Archetyp des Kämpfers. Seine Geburt beginnt mit dem Tod des unreifen Helden. Dem gegenüber zeigt er nicht nur Eier, sondern auch Herz und Courage. Er steht für etwas ein, das umfassender ist als er selbst, weil er seine Limits akzeptiert hat. Der Krieger, schreibt Moore, lebt in der Bewusstheit seines Todes und der Kürze seines Lebens. Deshalb trainiert, taktiert und kämpft er auch für das Größere; Seite an Seite mit anderen Kriegern. Was mag dieses Größere sein? Viele sehen es in „ihrem Sport“, dem sie Vorschub leisten wollen. Für manche ist es die Persönlichkeit ihrer Teilnehmer, zu deren Entwicklung sie beitragen möchten. Für andere sind es höhere Werte, die sie durch ihr Tun verteidigen und verwirklichen wollen. Einige wiederum sehen das Größere im Netz des Lebens auf unserem Planeten und im Wohl der Generationen von morgen. Nein, ich meine nicht die nächste Generation von GoPro-Kameras.

Selbstermächtigung und machtloser Sport

Wie viele haben mit dem Kämpfen aufgehört oder nie damit begonnen? Wie viele beschränken sich auf den epischen Sieg gegen die Nordwand, gegen den „inneren Schweinehund“ oder die eigene Machtlosigkeit? Ich verfolge nicht die Absicht, den sportlichen Wettkampf in Frage zu stellen. Ganz im Gegenteil: Wettkampf bleibt für mich ein Kernmerkmal des Sports. Selbst im Outdoorsport kann man eifrig um die Wette kämpfen, sogar ohne Gegner aus Fleisch und Blut. Im sportlichen Eifer finden Körpergewalt und gezielte Kontrolle einen gewaltfreien Ausdruck. Aber welche Wirkung hinterlässt diese gewaltige Kraft — außer der Spur im Schnee, die vom Wind verweht wird; außer der Müdigkeit nach der Tour; außer den wenigen Kommentaren auf dein Facebook-Foto? 

Mehr friedvolle Krieger bitte

Ohne Scheuklappen erkennen wir, dass wir im sportlichen Tun wenig bewirken — abgesehen von der flüchtigen Wirkung auf unser Ego. Wenn uns das ausreicht, ist das schön. Aber ist es auch gut? [4] Ich vertrete den Standpunkt, dass sich der Sport heutzutage wieder auf höhere Werte besinnen darf. Und dass die Menschen im Outdoorsport sich ihrer Macht bewusst werden müssen. Welcher Macht? — Na die, die Meister Yoda meint. Der friedvolle Krieger im Outdoorsport ist sich im Klaren, dass in einer global vernetzten Welt sein Handeln eine Wirkung hat; nicht nur direkt vor Ort, sondern auch indirekt auf ein anderes Leben auf diesem Planeten. Diese weitreichende Wirkmacht setzt er ein — und zwar nicht nur während des Sporttreibens, sondern vielmehr davor, danach und dazwischen. 

Wirkfelder für Wirkmächtige

Hierzu einige Beispiele: Was wäre, wenn du als Freizeitsportler vor dem Kauf und vor der Buchung bewusst die Entscheidung fällst, wen du damit unterstützt? Dein Geld ist ein machtvolles Mittel — übrigens auch deine Empfehlungen und Gefällt mir’s. Was wäre, wenn du als Trainer und Guide dir vor Augen hältst, dass du nicht nur an Ergebnissen mitwirkst und Erlebnisse möglich machst, sondern Wegbegleiter bist? Was wäre, wenn du als Profi-Athlet mehr darüber erzählen würdest, an welchen Kriterien du Leistung bewertest, und für was in der Welt du mit deinem Herzen einstehst? Du wirkst als Vorbild — fragt sich, wofür? Was wäre, wenn du als Journalist seltener an „die Leser“ oder „deinen Job“ denkst? Über wen und was würdest du schreiben; mit Feuer, Flamme und scharfer Klinge? Mit deinen Texten bestätigst du ein altes Bild — oder kreierst eine neue Welt. Was wäre, wenn du als Filmemacher und Fotograf bestimmen würdest, welche Heldengeschichte du schmückst? Welchen Zweck verfolgt dein Auftraggeber? Nur seinen egozentrischen… oder einen größeren, schöneren, besseren? — So wie du. 

Lieber Outdoor-Aktivist, sei dir bewusst, wofür du kämpfst. Wie du kämpfst. Und mit wem. Denn eines steht fest: Mehr Krieger, mehr Wirkung. 


Anmerkungen

[1] Wie immer sind hier Ladies und Gentlemen gleichermaßen gemeint. Zur besseren Lesbarkeit verwende ich die männliche Form.

[2] Das Motiv des heroischen Kampfes im Extremsport wird vor allem aus soziologischer und philosophischer Sicht aufgegriffen, zum Beispiel von Karl-Heinrich Bette (2004), Gunther Gebauer (2004) oder Jonathan Simon (2003). Aus der Sicht der Massenmedien ist die Heldenthematik ein Dauerbrenner. 

[3] Der Archetyp des Helden bzw. Kriegers wird eindrücklich dargestellt im Buch von Robert Moore und Douglas Gillette: „King, Warrior, Magician, Lover”, erstmals erschienen 1991 bei HarperOne. 

[4] Seit Platon gilt das Werte-Trio des Schönen, Wahren und Guten als grundlegender Maßstab für menschliches Leben. Wenn man den zeitgenössischen Sport vor diesem Hintergrund betrachtet, dann dominiert meines Erachtens das Wahre (als objektive Leistung). Mit Rückstand kommt das Schöne (als ästhetisches Erleben) und weit dahinter hinkt das Gute (als ethisches Handeln). Zeit für die Aufholjagd, finde ich. 


Mit Postoutdoorsports kämpfe ich für einen aufgeklärten Outdoorsport in einer globalen Kultur. Seite an Seite.